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Re: Nationalliberalismus ein Weg für Neuprofilierung der FDP?
JakobGruen schrieb:
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> OliverK schrieb:
> --------------------------------------------------
> > Auch wenn der Anteil der fundamentalistischen
> > Muslime an allen Muslimen sicherlich höher ist
> als
> > jener der fundamentalistischen Christen an
> allen
> > Christen (in Deutschland), glaube ich nicht,
> dass
> > all das, was im Koran steht (und was nur nach
> > einer fundamentalistischen Lesart so
> schröcklich
> > ist, wie es scheinen mag), für eine Mehrheit
> der
> > in Deutschland lebenden Muslime eine
> verbindliche
> > Leitschnur ist.
>
> Das dachte ich auch. Natürlich gibt es da auch die
> Barmherzigkeits-Stellen. In vielen Fällen wird der
> Koran aber sehr konkret - fundamentalistische oder
> auch nicht fundamentalistische
> Interpretationsmöglichkeiten gibt es m.E.
> zumindest dort nicht. Auch an den Stellen, wo
> konkrete Gebote ausgesprochen werden, hat der
> Gläubige relativ wenig Spielraum für Lesarten.
Es gibt v.a. im Nahen und Mittleren Osten sowie in Süd(ost)asien zahlreiche islamische Theologen, die eine historisch-kritische Koran-Exegese vollführen, wie es sie auch in der christlichen Bibelwissenschaft gibt. Allerdings teile ich - als nicht theologisch gebildeter Außenstehender - Ihre Wahrnehmung, dass die fundamentalistische Lesart auf dem Vormarsch und "liberalere" Auslegungen auf dem Rückzug sind.
> Sie haben aber recht: "Moderne" Muslims setzen den
> Koran in den Kontext der damaligen Zeit. Insofern
> gibt es sicher fundamentalistische und weniger
> fundamentalistische Lebensausrichtungen nach dem
> Koran. Die Schiiten (bspw. im Iran) haben eine
> "reformierte" Sichtweise, die Saudis (ich komme
> gerade nicht auf den Namen der religiösen
> Speilart) hingegen eine buchstabengetreue.
Sie meinen die Wahhabiten, oder?
> Wie es mit den Muslims in Deutschland steht, weiss
> ich nicht. In England soll angeblich jeder dritte
> Muslim die Einführung der Sharia befürworten (
> [blog.zeit.de]
> te-junge-muslim-in-england-befurwortet-die-scharia
> _179). Vermutlich werden die Zahlen in Deutschland
> in ähnlicher Größenordung mit zunehmenden Trend zu
> finden sein - so schätze ich sie jedenfalls nach
> meinen persönlichen Erfahrungen als
> (zugewanderter, aber laaaaaaangjähriger) Berliner
> ein. Anders als früher scheinen gerade die
> jugendlichen Türken und Araber jeden zweiten Satz
> mit "Allah" zu beginnen oder zu beenden. Die
> Vokabeln "inschallah", "haram" und "halal" wird
> vermutlich -anders als noch vor einigen Jahren-
> ebenfalls jeder Berliner zur Genüge kennen.
Ja, es ist denkbar, dass jeder dritte Muslim in Deutschland die Einführung der Scharia im Grundsatz befürworten würde. Ich schätze aber, dass auch jeder dritte autochthone Deutsche, je nach Fragestellung, etwas anderes als die freiheitlich-demokratische Grundordnung befürworten würde.
> Mir bereitet dies Sorge - alles deutet darauf hin,
> dass Huntington durchweg recht behält. Aber wie
> gesagt: Hier hilft keine Ausgrenzung, sondern nur
> eine konsequente Auseinandersetzung mit den
> Problemen, wie sie ja auch von Ihnen und Herrn ptr
> m.E. in vorangegangenen Beiträgen recht treffend
> beschrieben wurde.
Ich glaube auch, dass Huntington i.W. Recht hat. Ich sehe den "clash of civilizations" aber stärker zwischen den westlich geprägten Gesellschaften einerseits und den muslimisch geprägten andererseits als innerhalb der westlich geprägten Gesellschaften - obwohl es auch hier zu Kulturkonflikten kommt und weiter kommen wird, die sich mit albernem "Multikulti" à la Stadtteilfeste bei Döner und Currywurst nicht werden lösen lassen.
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> OliverK schrieb:
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> > Auch wenn der Anteil der fundamentalistischen
> > Muslime an allen Muslimen sicherlich höher ist
> als
> > jener der fundamentalistischen Christen an
> allen
> > Christen (in Deutschland), glaube ich nicht,
> dass
> > all das, was im Koran steht (und was nur nach
> > einer fundamentalistischen Lesart so
> schröcklich
> > ist, wie es scheinen mag), für eine Mehrheit
> der
> > in Deutschland lebenden Muslime eine
> verbindliche
> > Leitschnur ist.
>
> Das dachte ich auch. Natürlich gibt es da auch die
> Barmherzigkeits-Stellen. In vielen Fällen wird der
> Koran aber sehr konkret - fundamentalistische oder
> auch nicht fundamentalistische
> Interpretationsmöglichkeiten gibt es m.E.
> zumindest dort nicht. Auch an den Stellen, wo
> konkrete Gebote ausgesprochen werden, hat der
> Gläubige relativ wenig Spielraum für Lesarten.
Es gibt v.a. im Nahen und Mittleren Osten sowie in Süd(ost)asien zahlreiche islamische Theologen, die eine historisch-kritische Koran-Exegese vollführen, wie es sie auch in der christlichen Bibelwissenschaft gibt. Allerdings teile ich - als nicht theologisch gebildeter Außenstehender - Ihre Wahrnehmung, dass die fundamentalistische Lesart auf dem Vormarsch und "liberalere" Auslegungen auf dem Rückzug sind.
> Sie haben aber recht: "Moderne" Muslims setzen den
> Koran in den Kontext der damaligen Zeit. Insofern
> gibt es sicher fundamentalistische und weniger
> fundamentalistische Lebensausrichtungen nach dem
> Koran. Die Schiiten (bspw. im Iran) haben eine
> "reformierte" Sichtweise, die Saudis (ich komme
> gerade nicht auf den Namen der religiösen
> Speilart) hingegen eine buchstabengetreue.
Sie meinen die Wahhabiten, oder?
> Wie es mit den Muslims in Deutschland steht, weiss
> ich nicht. In England soll angeblich jeder dritte
> Muslim die Einführung der Sharia befürworten (
> [blog.zeit.de]
> te-junge-muslim-in-england-befurwortet-die-scharia
> _179). Vermutlich werden die Zahlen in Deutschland
> in ähnlicher Größenordung mit zunehmenden Trend zu
> finden sein - so schätze ich sie jedenfalls nach
> meinen persönlichen Erfahrungen als
> (zugewanderter, aber laaaaaaangjähriger) Berliner
> ein. Anders als früher scheinen gerade die
> jugendlichen Türken und Araber jeden zweiten Satz
> mit "Allah" zu beginnen oder zu beenden. Die
> Vokabeln "inschallah", "haram" und "halal" wird
> vermutlich -anders als noch vor einigen Jahren-
> ebenfalls jeder Berliner zur Genüge kennen.
Ja, es ist denkbar, dass jeder dritte Muslim in Deutschland die Einführung der Scharia im Grundsatz befürworten würde. Ich schätze aber, dass auch jeder dritte autochthone Deutsche, je nach Fragestellung, etwas anderes als die freiheitlich-demokratische Grundordnung befürworten würde.
> Mir bereitet dies Sorge - alles deutet darauf hin,
> dass Huntington durchweg recht behält. Aber wie
> gesagt: Hier hilft keine Ausgrenzung, sondern nur
> eine konsequente Auseinandersetzung mit den
> Problemen, wie sie ja auch von Ihnen und Herrn ptr
> m.E. in vorangegangenen Beiträgen recht treffend
> beschrieben wurde.
Ich glaube auch, dass Huntington i.W. Recht hat. Ich sehe den "clash of civilizations" aber stärker zwischen den westlich geprägten Gesellschaften einerseits und den muslimisch geprägten andererseits als innerhalb der westlich geprägten Gesellschaften - obwohl es auch hier zu Kulturkonflikten kommt und weiter kommen wird, die sich mit albernem "Multikulti" à la Stadtteilfeste bei Döner und Currywurst nicht werden lösen lassen.
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